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Januar II

Die letzten zwei Januar Wochen hatte ich mehr oder weniger frei und nachdem ich endlich meine Hausarbeit zu Ende geschrieben und Viktors sie freundlicherweise gegengelesen und mit mir zusammen korrigiert hatte, genoss ich nun meine Mini-Ferien. Kerttu und ich fingen an die Wände und Schranktüren unseres Zimmer mit allerlei bunten Vokabelzetteln zu dekorieren, die mal mehr, mal weniger nützlichen Inhalts waren. Inzwischen ist aber von mehreren Seiten bestätigt, dass unser Zimmer eins der gemütlichsten im 1. Stock ist!
Am Sonntag, den 20. Januar, war der lettische Gedenktag für die Barrikaden von 1991, als die Letten wichtige Verkehrswege und öffentliche Gebäude verbarrikadierten um die aus Moskau anrückende Armee abzuhalten. Weil mich diese Zeit sehr interessierte, war ich am Freitag schon mit Yvi bei einer kleinen Ausstellung im Kriegsmuseum (ja, sowas gibt es hier...) gewesen und schaute mit am Sonntag Abend die Feuer auf dem Domplatz und die Gedenksteine der Opfer an, die über und über mit Blumen bedeckt waren.
Am nächsten Tag wollten wir gern ans Meer fahren. Praktischerweise hatte Yvi Kontakt zu Nauris, der wiederum praktischerweise ein Auto hat. Unpraktischerweise war es an diesem Tag ziemlich kalt und regnete. Wir wollten aber trotzdem gern ans Meer, also fuhren wir nach Bolderaja und liefen zu Fuß zur Daugavamündung. Nach cirka einer Stunde, in der der Regen und der Wind immer stärker wurden, waren wir komplett durchnässt und erfroren, aber irgendwie war's doch schön. Nauris fuhr uns nach Hause und wir besetzten erst mal sofort alle drei Duschen, um wieder aufzutauen. Die klitschnassen Sachen hängten wir auf den Wäscheständer und wärmten und dann innerlich noch mit Tee und etwas Rigas Balzams auf. Dienstag fuhren Yvi und ich mehr oder weniger inoffiziell in den 15. Stock der Akademie der Wissenschaften (dieses Zuckerbäckergebäude hinter dem Bahnhof) und machten Fotos. Danach liefen wir kurz durchs Filmmuseum, was wirklich sehr klein ist, und lümmelten dann gemütlich im Teehaus mit ganz vielen Kissen und einer Wasserpfeife herum.
Mittwoch machten wir einen großen Ausflug! Wir, das heißt Kerttu, Uli, Yvi, Janusz und ich, mieteten uns ein Auto und machten uns auf den Weg nach Slampe! Ja, Slampe. Und jetzt bitte keine "ch" einfügen, das heißt wirklich so... Slampe ist ein winziges Dörfchen c.a. eine Stunde westlich von Riga und ganz in der Nähe von Slampe befindet sich das "lettische Hollywood", ein ziemlich großes Filmset. Dort sind Teile von Riga von vor 90 Jahren nachgebaut, als letztes wurde dort "Rigas sargi" (Die Wächter Rigas) gedreht, der erfolgreichste lettische Film der letzten Zeit (oder aller Zeiten?! Von den Besucherzahlen her ist er auf jeden Fall erfolgreicher als Titanic). Da wir den Film im November auch im Kino gesehen hatten, war es für uns natürlich super interessant jetzt durch die Kulissen zu laufen. Nachdem wir eine ganze Weile auf einer Holperstrecke durchs Nichts gegurkt waren, entdeckten wir plötzlich eine kleine Kirche, Eisenbahnwaggons und verschiedene Gebäude die umringt von Feldern und Wiesen völlig verloren und eng aneinader standen. Da es ein Mittwoch im Januar war, waren außer uns keine anderen Besucher da, nicht mal das Kassenhäußchen war besetzt! Also machten wir uns auf eigene Faust auf Erkundungstour. Als wir gerade mitten am Fotos schießen und rumrennen waren kam plötzlich doch noch ein anderer Mensch auf uns zu. Das war der Aufseher und der war natürlich nicht so begeistert, dass wir uns da einfach so reingeschlichen hatten. Aber da wir gleich offen auf ihn zugingen und an der Kasse ja nun wirklich keiner gewesen war, bot er uns eine Führung an, die wir dankend annahmen. Er erzählte uns eine Menge interessanter Sachen, aber nicht zu ausschweifend oder zu lange und dann bot er uns sogar an, ein paar von den Filmkostümen anzuziehen! Das war extrem lustig, wir schnappten uns dann gleich noch eine Lettlandfahne und spielten "Rigas sargi international". Dabei kamen eine Menge lustiger und ungewöhnlicher Fotos heraus, wie zum Beipiel diese beiden:
Als es anfing zu dämmern verließen wir diesen interessanten Ort wieder und fuhren weiter nach Jelgava. Dort stärkten wir uns erst mal und am Abend folgte dann eine kleine Aufschnittsession im Auto, denn wir gingen noch ins "Četri baltie krekli" zum Astro'n'out Konzert. In diesem Club (einer von zwein in Jelgava) wird ausschließlich lettische Musik gespielt, was an sich echt cool war, durch das etwas seltsame Publikum und vor allem die langsam aufkommende Müdigkeit getrübt wurde. Das Konzert selber war aber klasse!
Ach ja, was natürlich zu erwarten war: Sobald wir einmal mit dem Auto unterwegs sind, schneit es! Der ganze Winter ist grau und verregnet, aber als wir das Auto zurückbringen mussten lag eine dicke, weiße Schneedecke darauf...
Es folgten 3 durchfeierte Nächte... Am Donnerstag hatte Kristine (aus unserem Wohnheim) ihre schwerste Prüfung bestanden und das musste natürlich gefeiert werden! Der Abend endete mit einem neuen Phänomen, ich nenne es mal "Pelmeni2go". Die Käsepelmeni aus dem Pelmeniimbiss, der bis 4 Uhr nachts auf hat, kann man Prima in einer Mitnehmbox wie Pommes auf dem Weg essen! Am nächsten Abend traf ich mich zuerst mit Viktors und wir quatschten ganz viel (mal zur Abwechslung in einer anderen Bar!). Später in der French Bar gesellten sich noch Janusz, Alina und Alisa zu uns und wir tranken eine sehr seltsame Mischung: Ein Vodkaglas das komplett (mit Inhalt versteht sich) in ein großes Bierglas fallen gelassen wird. Danach hatten wir erstaunlich viel Energie, die wir uns in Andrejsala bei einer Elektroparty von der Seele tanzten. (Wenn ich aufgehört habe zu tanzen, fand ich die Musik furchtbar, aber zum tanzen war sie echt toll! ) Am Samstag Abend Fanden wir uns "erstaunlicherweise" schon wieder in der French Bar ein und das eindeutige Highlight des Abends war Kerttus Spruch, als sie hyperaktiv und quietschend an und gegen uns sprang und ich mich mit einem lauten "Aua!" beschwerte: "But I love you! And love hurts!" Achso. ;D
Der Sonntag war dann aus offensichtlichen Gründen extrem ruhig, ich schaute eine Menge Grey's Anatomy und versuchte mit Kristine, Janusz und Viktors den nächsten Tag zu planen, denn es waren -1° und Sonnenschein angesagt und wir hatten "große Pläne"...
Am Montag Vormittag setzten Kristine, Janusz und ich uns in den Bus und fuhren 40 Minuten nach Bolderaja bzw. Daugavgriva, wo Viktors wohnt. Das Wetter war tatsächlich fantastisch und so machten wir uns sofort auf zu einem laaangen Strandspaziergang. Genau an dieser Stelle war ich ein paar Tage vorher bei Regen gewesen, aber bei diesem Sonnenschein (den wir vor allem schon seit einer ganzen Weile nicht mehr gesehen hatten) war alles gleich ganz anders! Wir liefen bis zur Mole, die "am Ende von Riga", an der Daugavamündung, hinaus ins Meer verläuft, setzten uns dort auf die Steine und liefen dann später wiedder zurück zu Viktors Wohnung. Dort machten wir Lasagne, schauten ein bisschen Fernsehen (so ein Sattelit hat doch hin und wieder was für sich ), aßen die Lasagne und tranken Rotwein. Ein  richtig schöner Tag mit der kleinen "Pseudo-Familie":
Am Dienstag kam Basia endlich wieder aus Polen zurück, aber dafür mussten wir uns von unserer Uli verabschieden... Aber nicht ohne eine kleine, gemütliche Überraschungsparty am Abend! Eigentlich wollte ich danach früh ins Bett gehen, war dann aber noch so wach, dass ich Janusz und Kristine bei einer Fotosession in unserer Dusche assitierte (jeder hat halt ein Hobby ). Am nächsten Morgen standen Kerttu, Julia und ich nach ca 2 Stunden Schlaf schon wieder auf, um Uli zum Flughafen zu begleiten. Der Abschied war eigentlich "schön" ... sofern ein Abschied, und besonders um 6 Uhr morgens, überhaupt schön sein kann. Wir hatten ja im Hinterkopf, dass Uli im Juni wieder nach Riga kommt, um ihren Geburtstag zu feiern. Danach ging der Tag seltsam weiter. Nach weiteren 2 Stunden Schlaf stand ich erneut auf, diesmal um Alisa Tschüß zu sagen, die ebenfalls an diesem Tag das schöne Lettland verlassen musste. Danach folgten nochmal 2 Stunden Schlaf und dann war mein Rhythmus entgültig verwirrt. NIchtsdestotrotz ging ich am Nachmittag mit Viktors ins Barrikadenmuseum und danach im Cuba Cafe einen Cocktail trinken (Happy Hour ist was feines!). Eigentlich wollte ich dann nach Hause fahren, um meine Präsentation über Greifswald für eine Campus Europae Veranstaltung zu schreiben, aber ich ließ mich dann doch noch überreden, etwas essen zu gehen. Eigentlich wollten wir beide nach dem Essen zusammen schnell ein paar Zeilen über Greifswald verfassen, aber im Endeffekt sah ich viele schöne Bilder von Viktors letzten Urlauben in Hamburg und Georgien... Danach trafen wir Kristine und Kerttu und gingen zu einem Akkustikkonzert im Studentu klubs. Die Musik hatte was von Reihardt May, also so Liedermacherstil: ein einzelner Typ mit seiner Gitarre und relativ tiefsinnigen Texten. Allerdings sang der sich teilweise so in Extase, dass ich Angst hatte, er würde gleich platzen!
Am Donnerstag traf ich mich mit Santa und Katja vom Campus Europe Programm, die mich gebeten hatten, ob ich nicht auf einer Infoveranstaltung etwasüber Greifswald erzählen könnte. Ich war, völlig nichtsahnend, was mich wohl erwarten würde, nervös wie sonstwas. Aber die ganze Aufregung war natürlich umsonst! Da noch Ferien waren, waren nur zwei Interessenten gekommen und die Atmosphäre war total locker.
Später am Nachmittag gingen Janusz, Kristine und ich ins Okkupationsmuseum, wo Viktors als Museumsführer arbeitet. Er machte für uns eine spezielle Führung (auf lettisch! ) und wir blieben sogar noch da, als das Museum theoretisch schon zu hatte. Das war irgendwie ein komisches Gefühl, als letzte aus dem Museum zu gehen, während Viktors hinter uns das Licht ausmacht... Danach gingen wir ins Kino und schauten einen deutschen Film ("Schwere Jungs", den das Goethe Institut im Kino Riga mit englischen Untertiteln und lettischer Synchronübersetzung zeigte. Es war eine ziemlich lustige Komödie und danach liefen wir lachen und quatschend Richtung Daugava. Im Supermarkt besorten wir uns Getränke und saßen dann dort gemütlich (sofern das bei der Kälte möglich war) zusammen. Ich Schussel hatte allerdings vergessen Kerttu bescheid zu sagen, dass das Kino vorbei war und mein Handy war noch immer auf lautlos. Sie war nicht gerade erfreut darüber und das wirkte sich dann leider nicht gerade förderlich auf meine Laune aus. Wir machten trotzdem noch einen kurzen Abstecher in die "I love you Bar", in der Indie-Abend war, gingen dann aber relativ früh nach Hause.
Tja, das war der Januar! Fortsetzung folgt demnächst mit der Zusammenfassung des Februars...
13.3.08 23:54


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